Wie meine werten Leser wissen, gibt es zwischen der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) grundsätzliche Unterschiede. Mit diesem Artikel möchte ich mich dem Thema medizinische Versorgungszentren (MVZ) zuwenden. Dieses Thema gehört seit 2004 zwingend in die Beratung zum Thema private Krankenversicherung.

Auslöser für diesen Beratungsbedarf war das Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) aus dem Jahre 2004.

Neben vielen Änderungen welches dieses Gesetz zufolge hatte, stand auch unter dem Passus: „Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen “ unter anderen folgendes zu lesen:

…..Förderung von medizinischen Versorgungszentren. Durch die Reform soll die medizinische Versorgung stärker aus einer Hand erfolgen. Deshalb soll die Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten und anderen Heilberufen in so genannten medizinischen Versorgungszentren gefördert werden. Der Patient profitiert in diesen Zentren davon, dass sich die Ärzte miteinander abstimmen, Doppeluntersuchungen vermieden werden und letztlich von den kurzen Wegen unter einem Dach

Die Idee kam von unserer damaligen geehrten Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) welche sich die Idee der Polikliniken aus der ehemaligen DDR zu eigen gemacht hatte. Wie am meisten Projekte der damaligen Gesundheitsministerin ist auch dieses mit Haken und Ösen verbunden. Als hehres Ziel sollte die ärztliche Versorgung in dieser neuen Organisationsform an einem Ort im MVZ fachübergreifend stattfinden.

Das hatte damals und auch heute noch die niedergelassenen Ärzte, meiner Ansicht nach zu Recht, auf die Palme gebracht. Hintergrund ist, dass in den nach dem SGB V§95 (1) das MVZ zwar unter Leitung eines oder mehrerer im Arztregister eingetragene Ärzte als Inhaber (Vertragsärzte) stehen muss, die Behandlung aber von angestellten Ärzten durchgeführt werden kann. Die Befürchtung der niedergelassenen Ärzte war und ist nun, dass die MVZ als Massenbetrieb (natürlich gewinnmaximiert) die herkömmlichen Arztpraxen verdrängen. Natürlich ist Medizin am Fließband billiger als individuelle Behandlung und Beratung eines niedergelassenen Arztes.

In Deutschland gibt es inzwischen ca. 1700 solcher MVZ, Tendenz steigend. Träger sind zu ca. 60% Vertragsärzte, ca. 35% Krankenhäuser und bei ca. 5 % werden die Behandlungsverträge nicht mit einem Arzt, sondern mit dem MVZ als juristischen Person (z.B. GmbH) geschlossen.

Was hat das nun alles mit unserem Thema PKV zu tun? Hier hilft mal wieder ein Blick in die Musterbedingungen der PKV (MB/ KK). Im MB/ KK §4 ist der Umfang der Leistungspflicht wie folgt geregelt:

(2) Der versicherten Person steht die Wahl unter den niedergelassenen approbierten Ärzten und Zahnärzten frei. Soweit die Tarifbedingungen nichts anderes bestimmen, dürfen Heilpraktiker im Sinne des deutschen Heilpraktikergesetzes in Anspruch genommen werden.

Erstattungsfähig sind demnach ambulante Heilbehandlung nur dann, wenn diese Leistung von einem niedergelassenen approbierten Arzt oder Zahnarzt durchgeführt wird. Ist eine solche Heilbehandlung nicht gewährleistet, ist die Heilbehandlung in MVZ für PKV Versicherte tabu, zumindest dann, wenn der Versicherer in den MB/KK nichts anders geregelt hat. Lässt sich ein PKV Versicherter in diesem Fall doch in einem MVZ behandeln, muss davon ausgegangen werden, dass die PKV die Erstattung zu Recht mit Hinweis auf MB/ KK §4 verweigert.