Die private Krankenversicherung (PKV) musste in den letzten Wochen und Monaten eine nicht geringe Zahl von Negativschlagzeilen über sich ergehen lassen. Billigtarife, Beitragssteigerungen, vermehrte Wechel in die gesetzliche Alternative und die Forderung der Opposition nach einer solidarischen Bürgerversicherung führten dabei zu einer wachsenden Verunsicherung innerhalb und außerhalb der privaten Versicherungsbranche. Nun stellt zum ersten Mal auch die CDU die private Krankenversicherung aktuellen Bildes infrage: Dass nur Selbständige, Beamte und Gutverdiener sich privat versichern können, treffe nicht mehr den Puls der Zeit, erklärte Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU in einem Interview gegenüber der “Welt”. Aufgrund der zum Teil existenziellen Probleme der Branche, müsse die Union daher an einer überzeugenden Alternative zur Bürgerversicherung arbeiten, so der Gesundheitspolitiker.

Spahn: “PKV ist nicht mehr zeitgemäß”

Laut Jens Spahn sei die Trennung zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der PKV nicht mehr zeitgemäß. Dafür sei nicht einmal mehr auf einer CDU-Mitgliederversammlung eine Mehrheit zu erreichen. Zudem sei einigen privaten Versicherern bereits klar, dass sie ohne eine Bereitschaft zur Veränderung an Akzeptanz verlieren würden, so der Gesundheitsexperte weiter. Auch die Beitragssteigerungen innerhalb nur weniger Jahre sei eine enorme Belastung für die Versicherten und damit mittlerweile auch eine sozialpolitische Frage.

CSU zeigt sich empört

Die CSU hält dagegen auch weiterhin an der Zweiteilung fest. “Die CSU wird niemals zulassen, dass das einzige Krankenversicherungssystem, das ohne Zuschüsse auskommt, ausgehungert wird”, erklärte Max Straubinger, Gesundheitspolitiker der CSU. Den Vorstoß seines Kollegen nannte er als “Stück aus dem Tollhaus”, welches Spahn völlig unabgestimmt zur Aufführung bringe. Würden die Vorschläge tatsächlich in die Tat umgesetzt, führe das zu einem “Einheitsbrei von Versicherungen”, so Straubinger weiter.

Klausurtagung der Gesundheitspolitiker nach Ostern

Gelegenheit zur Diskussion bietet die auf nach Ostern angesetzte Klausurtagung der Unionsfraktion zur Thematik. Laut Jens Spahn sollte die Union diese Debatte vor allem offensiv betreiben. Denn die Gesundheitspolitik bewege viele Menschen in Deutschland und die Bundesbürger erwarten zu Recht konkrete Antworten, so das Fazit des Gesundheitspolitikers.