Folgekosten von Lebendspenden müssen neu geregelt werden
Folgekosten von Lebendspenden müssen neu geregelt werden

Es geht dabei um die möglichen Folgen von Organspenden. Wenn zum Beispiel wie im Fall der Nierenspende des SPD-Politikers Frank Walter Steinmeier ein Organ von einem Lebendspender transplantiert wird, so kann das bei dem Spender zu finanziellen Problemen führen. Das gilt dann, wenn der Spender privat krankenversichert ist. Es ist bisher so geregelt, dass bei einer Lebendorganspende die Krankenversicherung des Empfängers die anfallenden Kosten übernimmt. Die geradezu widersinnige Versicherungslücke kann bei einem Organspender auftauchen, wenn er direkt durch die Spende unter gesundheitlichen Problemen oder Folgeerkrankungen zu leiden hat. Die dann entstehende Kosten werden von einer privaten Krankenversicherung nicht übernommen. Der Grund liegt darin, dass die Kosten nicht durch eine Krankheit des Versicherten entstehen. Es sind die Folgen eines Eingriffs, den der Versicherte auf eigenen Wunsch durchführen ließ.

Feste Regeln müssen geschaffen werden

In der Realität sind viele private Krankenversicherer dazu übergegangen, in solchen Fällen die Kostenfrage auf dem Kulanzweg zu lösen. Doch für Volker Leienbach ist das keine optimale Lösung. Hier müssen feste Regelungen gefunden werden, sagte der PKV-Direktor. Bei Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gibt es hier keine Probleme. "Eine Riesenversicherungsgemeinschaft steckt das locker weg", so Wilfried Jacobs, der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg.

Diskussion wird bereits zu lange geführt

Professor Eckhard Nagel ist Mitglied des Deutschen Ethikrates. Der Facharzt für Transplantationen kritisiert, dass diese Diskussion bereits seit rund zehn Jahren geführt werde. Doch konkrete Ergebnisse konnten nicht erarbeitet werden. "Die Versicherungsproblematik bei Lebendspenden ist gravierend", sagte er. Die Frage der Organspende soll nach dem Willen von Ärzten und Politikern neu geregelt werden. Auch wegen der großen Bedeutung der Lebendspende sowohl für den Einzelnen als auch für die gesamte Gesellschaft sei es unverständlich, dass über die Folgekosten noch diskutiert werden müsse. Den Versicherern muss deshalb der hohe Stellenwert deutlich gemacht und eine praktikable Regelung gefunden werden.

Festlegung der Kosten mit dem neuen Gesetz denkbar  

Der PKV-Ombudsmann Dr. Klaus Theo Schröder ist der Meinung, dass es auf diesem Gebiet Handlungsbedarf gibt. Das Thema sei nie mit der gebührenden Aufmerksamkeit und der Bedeutung diskutiert worden, die eigentlich notwendig gewesen wäre. Er könnte sich eine Lösung vorstellen, die gesetzlich verankert werden könnte. Das Organspendegesetz wird geändert werden, um die Zahl der Spenderorgane möglichst zu erhöhen. Im Zuge dieser Änderung könnte sich Schröder auch die gesetzliche Regelung der Kostenfrage vorstellen.

Größere Spielräume zur besseren Versorgung  

Volker Leienbach machte aber deutlich, dass nun Anstrengungen unternommen werden müssen. "Wir müssen die Versicherten am medizinischen Fortschritt teilnehmen lassen und dürfen nicht schlechter sein als die GKV." Ein Problem dabei sind seiner Ansicht nach die geschlossenen Hilfsmittelkataloge. Es müssten Lösungen gefunden werden, damit neue Entwicklungen in die Verträge Eingang finden. Es sind nach Ansicht des PKV-Direktors größere Freiräume für die Unternehmen nötig. Nur so sei weiterhin das Angebot für gute und qualitativ hochwertige Gesundheitsleistungen aufrecht zu erhalten.