Kommt es für die privaten Krankenversicherungen und ihre Kunden noch dicker? Glaubt man den Ausführungen des Gesundheitsökonomen Jürgen Wasem in einem Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt, ziehen für die PKV weitere dunkle Wolken auf – ausgelöst durch die anhaltende Zinsflaute an den Kapitalmärkten. Denn auch die Krankenversicherer stehen diesbezüglich nicht im luftleeren Raum, sondern „leiden“ wie jeder andere unter der Situation.

Dabei bezieht sich Jürgen Wasem in erster Linie auf die Altersrückstellungen. 170 Milliarden Euro liegen in den Tresoren der PKV, 146 Milliarden Euro für die Kranken- und 24 Milliarden Euro für die Pflegeversicherung. Das hört sich nach viel an. Der Gesundheitsökonom wirft den PKV allerdings eine weltfremde Kalkulation vor. Zum einen sei kein Inflationsausgleich vorgesehen. Zum anderen werde der kostentreibende medizinische Fortschritt nicht berücksichtigt und davon ausgegangen, dass die Lebenserwartung der Versicherten gleich bleibt. „Unrealistisch“, sagt Jürgen Wasem, „die Menschen werden immer älter und die moderne Medizintechnik kostet auch immer mehr.“

Das eigentliche Problem sei aber der Rechnungszins, mit dem die Sparleistungen der Kunden garantiert verzinst werden. 3,5 Prozent stehen zu Buche und können dank langfristiger Investments derzeit auch noch erzielt werden. Auf Dauer wird es aufgrund der Umstände an den Kapitalmärkten aber schwer, dieses Niveau zu halten. Hinzu kommt die „Inflationsfalle“. Deshalb schlägt Jürgen Wasem vor, den Garantiezins zu senken – wie bei der Lebensversicherung. Als realistisch sieht er einen Wert von 2,5 Prozent an. Die Initiative dazu sollte der Gesetzgeber ergreifen. Die Konsequenz wären vermutlich Beitragssteigerungen im zweistelligen Bereich. Der Gesundheitsökonom sagt dazu: „Da muss die PKV durch.“ Ob auch die Kunden da durch wollen, steht auf einem anderen Blatt.

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