Das Vorkasse-Prinzip ist eines der Merkmale, in denen sich gesetzliche und private Krankenversicherung unterscheiden. Statt mit den Kassen abzurechnen, schicken die Ärzte ihren Privatpatienten die Rechnung nach Hause. Erstattet werden die Kosten später von der PKV. Dieses Modell soll nach dem Willen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) künftig auch für die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen gelten. Ob sich damit Kosten senken lassen oder ob es sich schlichtweg um eine erzieherische Maßnahme handelt, darüber wird derzeit vortrefflich gestritten.

Kassenärzte-Chef Andreas Köhler wurde es begrüßen, wenn die Patienten künftig mehr Selbstverantwortung übernehmen müssten. „Nur dann wird es gelingen, von der hohen Zahl an Arztbesuchen im Jahr herunterzukommen“, erklärte er. Auf diese Weise würden unnötige Besuche vermieden. Heißt im Grunde genommen: Überleg´ Dir gut, ob Du zum Arzt gehst, denn es belastet erst einmal Dein Portemonnaie. Auf der anderen Seite, und das scheint der Kassenärztechef zu übersehen, steigt für die Ärzte das Risiko, dass Rechnungen gar nicht erst bezahlt werden und sie zeit- und kostenintensiv hinter ihrem Geld herlaufen müssen. Darauf weist die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, hin.

Sie lehnt die Idee von Philipp Rösler ab. Sie befürchtet ebenso wie viele Verbraucherschützer, dass sich daraus eine „Drei-Klassen-Medizin“ entwickelt. Wer nicht in Vorleistung gehen kann oder möchte, müsste sich im schlimmsten Fall mit einer Basisversorgung zufrieden geben. Ohnehin ist zweifelhaft, ob jeder Versicherte in der Lage ist, die Kosten für die Arztbesuche vorzustrecken, um sie dann erst am Ende des Jahres gesammelt von der Kasse zurückfordern zu dürfen. Für die gesetzlichen Kassen wäre das neue System zudem mit einem enormen Kostenaufwand verbunden, der wiederum auf die Versicherten abgewälzt würde.

Ein weiteres Problem sehen die Gegner des Vorkasseprinzips darin, dass Ärzte ihren Patienten möglicherweise Leistungen in Rechnung stellen, die gar nicht nötig wären. „Die Ärzte hoffen, sich dadurch sämtlichen Steuerungsinstrumenten zu entziehen. Menschen in Notlagen kann man natürlich leichter dazu überreden, unnötige Leistungen zu bezahlen, als die Krankenkassen in Verhandlungen auf Augenhöhe“, erklärt Doris Pfeiffer. Kranke wollen nicht lange über die Art der Behandlung lamentieren oder sich Gedanken darüber machen, ob sie vielleicht günstiger gesund werden können.

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