Krankenkasse zahlt medizinisch notwendige Fettabsaugung
Krankenkasse zahlt medizinisch notwendige Fettabsaugung

In einem aktuellen Fall musste das Hessische Landessozialgericht in Darmstadt über eine derartige Fettabsaugung oder Liposuktion entscheiden. Die Klägerin war eine 1984 geborene junge Frau, die an einer Adipositas litt. Sie war in ihrer Mobilität stark eingeschränkt. An Beinen, Armen und am Gesäß hatten sich schmerzhafte Lipödeme gebildet, also massive Ansammlungen von Fettmasse. Der behandelnde Arzt empfahl der Frau, sich diese Fettansammlungen stationär entfernen zu lassen. Daraufhin beantragte die Frau bei ihrer Krankenkasse die Kostenübernahme für den stationären Aufenthalt und die Behandlung. Das Krankheitsbild habe sich verschlechtert, sodass eine solche Behandlung notwendig sei. Die Krankenkasse ließ durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ein Gutachten erstellen und lehnte daraufhin die Übernahme der Kosten ab.

Kasse will Liposuktion nicht übernehmen

Die Kasse begründete ihre Ablehnung damit, dass die Versicherte die konservativen Behandlungsmöglichkeiten bei einem Lipödem noch nicht ausgeschöpft habe. Eine Therapie mit Lymphdrainagen oder auch die Reduktion des Gewichtes sei noch nicht ausreichend versucht worden. Doch die junge Frau wollte die Ablehnung nicht hinnehmen und klagte vor Gericht. Sie habe alle Maßnahmen bereits probiert, so ihre Begründung. Doch die Behandlungen hätten nur temporären Erfolg gehabt. Auch Kompressionsstrümpfe seien nicht geeignet gewesen, ihre Probleme nachhaltig zu beseitigen. Das Hessische Sozialgericht in Kassel wies die Klage zurück. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) habe die Liposuktion nicht empfohlen, und ein Klinikaufenthalt sei nicht nötig. (Aktenzeichen S 12 KR 15/10)

Notwendige stationäre Behandlung muss bezahlt werden

Die Frau legte Berufung vor dem Landessozialgericht ein. Die Darmstädter Richter folgten den Argumenten der Klägerin und gaben der Klage in jeder Beziehung statt.  Nach der Beweisaufnahme stand für die Richter fest, dass die Klägerin unter ausgedehnten und schmerzhaften Lipödemen litt. Sie habe eine starke Fettansammlung an den Oberarmen, und der Umfang ihrer Oberschenkel betrug 80 cm. Das Lipödem sei so erheblich, dass zur Behandlung ein stationärer Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig sei. Zur Beurteilung hat das Gericht die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie herangezogen. Danach können ambulant höchstens zwei Liter Fettgewebe entfernt werden. Um der Klägerin aber nachhaltig zu helfen, mussten bei jeder Behandlung drei bis vier Liter Gewebe abgesaugt werden.

Keine negative Stellungnahme des GBA

Dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Liposuktion nicht befürwortet hat, war für das Gericht nicht relevant. Die positive Beurteilung einer Behandlung durch den GBA sei lediglich für den ambulanten Bereich notwendig. Für den stationären Sektor sind Behandlungen nur dann von der Leistungspflicht der Krankenkassen ausgeschlossen, wenn es definitiv eine negative Stellungnahme des GBA gibt. Doch die liegt in Bezug auf die Liposuktion nicht vor. Zudem habe die Klägerin die konservativen Methoden erfolglos durchgeführt. Vor allem aber gebe es keinen wissenschaftlicher Beweis, dass eine Gewichtsreduktion ein Lipödem positiv beeinflussen könne. Die Krankenkasse muss die Kosten für die Fettabsaugung bei der Klägerin übernehmen. (Aktenzeichen L 1 KR 391/12)

Gerichte urteilen nicht einheitlich

Das Gericht sah keinen Anlass, die Revision beim Bundessozialgericht zuzulassen. Das Urteil ist also rechtskräftig. Die Gerichte haben bisher sehr unterschiedlich über die Kostenübernahme für eine Fettabsaugung geurteilt. Die Argumente gegen die Zahlung der Kosten sind ebenso gewichtig und stichhaltig wie die Begründungen für die Versicherten und ihre Probleme. Ein höchstrichterliches Urteil gibt es noch nicht. Es wir also noch einige widersprüchliche Ansichten und Urteile geben.

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