Krankenkassen kritisieren Hausärzte Streik
Krankenkassen kritisieren Hausärzte Streik

Stefan Lummer, Sprecher des deutschen Hausärzteverbandes, sagte gegenüber der Ärztezeitung, man plane für Ende August bis Ende September Praxisschließungen auf lokaler Ebene, aber auch bundesweite Aktionen, wie einen „Tag der offenen Praxistür“. Höhepunkt der Streiks solle mit einer bundesweiten Aktion der 15. September werden. Einen Tag darauf werde dann der 33. Deutsche Hausärztetag stattfinden, erklärte Lummer. Die Hausärzte wollen gegen die geplanten Honorarkürzungen der Regierung protestieren. Indessen haben mehrere Krankenkassen die geplanten Streiks scharf kritisiert. Der Vize-Vorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, bezeichnete den Streik gegenüber der Süddeutschen Zeitung als deplatziert. Ähnliche Äußerungen machte auch DAK-Chef Rebscher. Rebscher sagte, er halte die Proteste für nicht nachvollziehbar.

Bundesweiter Streik geplant

Der deutsche Hausärzteverband hat die etwa 32.000 Hausärzte in Deutschland aufgefordert, sich am 26. und 27. August an den Streikaktionen in Bayern zu beteiligen. Höhepunkt der Proteste solle aber ein bundesweiter Aktionstag am 15. September werden, sagte Sprecher Stefan Lummer dem Handelsblatt. Lummer erklärte, dass dies nur die erste Stufe der Kampagne sei. Parallel versuchten die Hausärzte schon jetzt, Bundestagsabgeordnete für ihre Anliegen zu gewinnen.

Protest gegen Sparmaßnahmen

Mit den Streiks wollen sich die Hausärzte gegen die geplanten Maßnahmen von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zur Wehr setzten. Dieser sieht vor, die Sondervergütungen der Hausarztverträge um 500 Millionen Euro jährlich zu kürzen. Diese Verträge müssen die Krankenkassen seit 2007 per Gesetzt mit den Hausärzten abschließen. Durch die freiwillige Kooperation der Versicherten sollen mithilfe der Lotsenfunktion der Hausärzte Mehrfachbesuche bei Fachärzten beziehungsweise in Kliniken sowie die überflüssige Verschreibung von Medikamenten verhindert werden.

Kritik durch Krankenkassen

Einige Krankenkassen haben indessen die geplanten Streiks massiv kritisiert. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorsitzender der Barmer GEK, bezeichnetet die Proteste als deplatziert. Nach seinen Ansichten würden damit die berufsständischen Interessen auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden. DAK-Chef Rebscher erklärte, er halte das Vorgehen der Ärzte für nicht nachvollziehbar. Wenn alle Beteiligten des Gesundheitswesens betroffen seien, könne man keine kleine Arztgruppe davon ausnehmen.

Auch der gesundheitspolitische Sprecher der CDU und CSU-Fraktion, Jens Spahn, stellte sich gegen die Hausärzte. Es sei zwar das gute Recht jeder Lobbygruppe ihre Interessen zu vertreten- Der Hausärzteverband hätte sich aber deutlich im Ton vergriffen, kritisierte Spahn. Der Experte verwies auf das kommende Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenkversicherung und machte deutlich, dass nun künftig alle Leitstungsträger des Gesundheitssystems ihren Beitrag leisten müssten. Das betreffe auch Ärzte und Hausärzte, sagte Spahn.