Kritik der Versicherungsmakler an der privaten Krankenversicherung
Kritik der Versicherungsmakler an der privaten Krankenversicherung

Die privaten Krankenversicherer (PKV) warten vermutlich mit Spannung auf den Ausgang der Koalitionsverhandlungen. Das Schicksal der Branche wird sicherlich von den ausgehandelten Vereinbarungen der Partner abhängig sein. Auch die Makler wollen wissen, wie der weitere Weg der PKV aussehen wird. Sie schätzen den Stand der Dinge eher negativ ein.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Markforschungsinstituts Heute und Morgen GmbH. Die Marktforscher befragten 30 hauptberufliche Makler, deren Schwerpunkt bei der Vermittlung von privaten Krankenversicherungen liegt.

Als grundsätzlichen Ansatz betonten die Makler, dass sich die PKV mit einer deutlichen Abwärtsbwegung auseinandersetzen muss. Die Kunden sind durch die öffentlichen Diskussionen verunsichert. In den letzten Jahren hatten die Makler mit dem Abwärtstrend der PKV zu kämpfen, was vor allem auf den doch recht markanten Imageverlust der Branche zurückzuführen ist. Doch auch die oft stark ansteigenden Beiträge halten viele potentielle Kunden davon ab, sich für die PKV zu entscheiden. Die Makler sind der Ansicht, dass die PKV gerade bei der Entwicklung der Prämien einen großen Teil der Verantwortung selbst übernehmen muss.

Billigtarife – ein unnötiges Übel

Schuld sei vor allem der Verkauf von Policen mit den sogenannten Billigtarifen, mit der die Versicherungen lange Zeit gerade junge Kunden geködert haben. Die Folgen dieser Geschäftspraxis waren rasant steigende Beiträge. Auch die zu Recht kritisierten überhöhten Provisionen haben dazu beigetragen, den Ruf der Branche negativ zu besetzen. Hier müssen nach Ansicht der Experten Zeichen gesetzt werden, um die positive Sicht auf die PKV wieder zu ermöglichen. Die beste Möglichkeit für gesunden Wettbewerb und den Aufbau von neuem Vertrauen ist nach Ansicht der Makler, wenn sich die Anbieter vorrangig auf die Stabilität der Beiträge konzentrieren.

Leistungen sollten verbessert werden

Die Makler betonen ausdrücklich, dass sie in jedem Fall hinter der PKV stehen. Sie erwarten allerdings, dass die bereits eingeleiteten Veränderungen weiter vorangetrieben werden. Die Vorschläge der Vermittler orientieren sich vor allem an den Leistungen der PKV, die oft aus ihrer Sicht nicht ausreichend sind. Aus der gesamten Entwicklung ist abzulesen, dass beispielsweise die psychischen Erkrankungen stark zunehmen. In den Billigtarifen gibt es dazu oft nur eingeschränkte oder aber gar keine Leistungen. Auch ist bei vielen Anbietern der Hilfsmittelkatalog zu eng definiert. Der gesamte Bereich der Vorsorge ist aus Sicht der Makler ein „Stiefkind“. Hier müssten die Leistungen den tatsächlichen Erfordernissen angepasst werden. Oft haben Vorsorgeuntersuchungen noch einen negativen Effekt auf die Rückzahlung der Beiträge. Eine solche Haltung entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen.

Hohe Qualität für eine sichere Zukunft

„Insgesamt machen die Makler deutlich, dass die PKV aus ihrer Sicht nur über die Rückbesinnung auf qualitativ hochwertige Produkte eine erfolgreiche Zukunft gehen kann“, fasst Studienleiterin Christina Barschewski die Ergebnisse zusammen. Neben hoher Qualität würden es den Maklern die Arbeit erleichtern, wenn in der PKV größere Flexibilität ihren Einzug halten würde. So könne der Selbstbehalt den Kunden und der jeweiligen Beitragshöhe angepasst werden.

Attraktivität durch Beweglichkeit

Qualität ist sicherlich wichtig, ist aber nicht allein ausschlaggebend. Die Makler ziehen die Anbieter vor, bei denen die Verwaltungsprozesse  schnell und unkompliziert ablaufen. Hier ist auch die Kompetenz der Mitarbeiter einer Versicherung gefragt. Ein Tarif kann noch so gut und leistungsstark sein – wenn die Bearbeitung von Anfragen, von Anträgen und Leistungen zu lange dauert, so schadet das dem gesamten Produkt. Die Makler sehen die Branche im Umbruch. Sie hoffen, dass bereits begonnene Prozesse weitergeführt werden und dass sich die Branche neu aufstellen kann.