Nach Auffassung des Bundesgesundheitsministers muss die Co-Existenz von gesetzlicher und privater Krankenversicherung aufrechterhalten werden. Sowohl die GKV als auch die PKV seien mit Vorteilen ausgestattet, die es mit Blick auf die demographische Entwicklung herauszuheben, zu festigen und fortzuentwickeln gelte, so Bahr auf dem kürzlich zu Ende gegangenen Deutschen Ärztetag. Wer glaube, nur eines der beiden Systeme könne dies schaffen, der liege daneben. Eine einheitliche Versicherung für alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands hält der FDP-Politiker für falsch. Seine Begründung: Dieser Ansatz mache die Wahlfreiheit für die Versicherungsnehmer zunichte und “die Patienten zu Bittstellern einer staatlich gelenkten Mängelkasse“. Hinsichtlich der privaten Krankenkassen gelte es zudem zu bedenken, dass die aufgebauten Altersrückstellungen nicht “verfrühstückt” werden dürften.

PKV-Zweifler in Regierungskoalition in der Minderheit

Die Stimmen, die von Seiten des Koalitionspartners an der Zukunft der privaten Krankenversicherung zweifeln, seien nicht in der Mehrheit, betonte Bahr im Vorfeld des 115. Ärztetages in einem Zeitungsinterview. Hintergrund: Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Jens Spahn, hatte vor wenigen Monaten verlauten lassen, die Union müsse sich aufgrund der großen Probleme der PKV Gedanken über eine Alternative zur Bürgerversicherung machen. Damals löste er eine Debatte mit der Schwesterpartei CSU aus.

Debatte um Privatversicherung “oft ideologisch motiviert”

Laut dem Bundesgesundheitsminister habe die Privatversicherung mehrere Jahrzehnte mit Erfolg agiert, ohne dass die Politik unterstützend eingreifen musste. Wenn man nun das Handeln der Politik beleuchte, das es den PKV-Kunden ebenso ermögliche, vom “Ende des Preismonopols der Pharmaindustrie (zu) profitieren”, dann müssten auch entsprechende existenzsichernde Maßnahmen zugunsten der AOK erwähnt werden. Festzuhalten sei, dass die Debatte um das private System in vielen Fällen ideologische Hintergründe habe, so Daniel Bahr im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Was die private Krankenversicherung ändern muss

In seinem Plädoyer für das duale Gesundheitssystem fand Minister Bahr Zustimmung bei den Ärzten. Bereits im Vorfeld des Deutschen Ärztetages hatte Bundesärztekammerpräsident, Frank Ulrich Montgomery mehrfach die Position der Ärzteschaft dargelegt und hierbei Unterstützung vom Marburger Bund erhalten. Klar ist: Die private Krankenversicherung muss selbst Verbesserungen auf verschiedenen Ebenen einleiten. Bahr zählt hierzu, dass sich die Branche intensiv darüber Gedanken machen sollte, ob übertrieben preisgünstige Angebote für potenzielle Versicherungskunden im Gesamtzusammenhang sinnvoll sind. Gemeint sind die sogenannten Billigtarife der PKV, deren Leistungsumfang nicht mit dem Versorgungsanspruch der Versicherten korrespondieren. Laut Bahr trifft dies vor allem auf junge Männer zu. Die “Rosinenpickerei” müsse ein Ende haben, forderte er.