Neue Honorare für Zahnärzte stoßen auf massive Kritik
Neue Honorare für Zahnärzte stoßen auf massive Kritik

Die schon lange als veraltet und unzureichend deklarierten Gebührenordnungen deutscher Mediziner und Zahnärzte sollen in den kommenden Monaten und Jahren reformiert werden. Während sich Ärzte noch länger gedulden müssen, hat das Gesundheitsministerium nun einen Gesetzesentwurf zur Erneuerung der Gebührenordnung für die rund 85.000 bundesweit praktizierenden Zahnärzte auf den Weg gebracht. In Zukunft können sie durchschnittlich sechs Prozent mehr für die gleichen Leistungen abrechnen. Während die Bundeszahnärztekammer die beschlossene GOZ als zu gering bewertet und lediglich den Verzicht auf die “Öffnungsklausel” als positiv hervorhebt, setzt die Kritik des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) gerade hier an. In ihren Augen sind die höheren Honorare ungerechtfertigt, weiterhin fordern sie die Öffnungsklausel.

Neue GOZ ohne Öffnungsklausel

Der Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums für eine Gebührenordnung der Zahnärzte sieht ein höheres Honorarvolumen vor. Sechs Prozent können im Schnitt mehr abgerechnet werden. Auf die von den privaten Krankenversicherungen geforderte Öffnungsklausel wurde hingegen komplett verzichtet. Mit einer Öffnungsklausel in der GOZ wollte die PKV erreichen, dass bei den Honorar- und Behandlungsverträgen eine verbesserte Wettbewerbssituation geschaffen wird.

PKV-Kritik: Keine betriebswirtschaftliche Anpassung

Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) spricht sich daher entschieden gegen die GOZ-Novelle aus. Laut dem PKV- Direktor Volker Leienbach bestehe keinerlei Nachholbedarf beim Honorarvolumen für Zahnärzte. Im Gegenteil: Seit Jahren seien die Honorare aus der GOZ bereits überdurchschnittlich gestiegen. Eine Öffnungsklausel sei erforderlich, um im Interesse der Versicherten konkrete Qualitäts- und Leistungsstandards mit den Zahnärzten vereinbaren zu können. Die PKV sei bereit, auf der Basis transparenter Kostendaten gemeinsam mit der Zahnärzteschaft eine moderne GOZ mit betriebswirtschaftlicher Kalkulationsgrundlage zu entwickeln. Beim vorliegenden GOZ-Entwurf sei dies jedoch nicht der Fall.

Desaster für Zahnärzte

Der Vorsitzende des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) Dr. Jürgen Fedderwitz bezeichnet die GOZ-Novelle dagegen für Patienten wie Zahnärzte gleichermaßen als desaströs. Inakzepatabel sei außerdem, dass der Gesetzesentwurf die Kostenentwicklung der letzten zwanzig Jahre ignoriert. Die Zahnärzte hatten zwischenzeitlich sogar eine Steigerung der Gebührensätze von bis zu sechzig Prozent diskutiert. Lediglich das klare Nein zur Öffnungsklausel wurde von der Bundeszahnärztekammer begrüßt. 

Betroffen sind auch gesetzlich Versicherte

Von der Anhebung sind jedoch nicht nur Privatpatienten betroffen, sondern auch Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung. Für sie werden all jene Behandlungen teurer, die nicht von ihrer Krankenkasse übernommen werden. Darunter fallen u.a. hintere Zahnfüllungen, die nicht aus Amalgam sind, aufwendigere Kronen sowie generell Zahnimplantate.