Neues Arzt-Gesetz soll 2011 die Versorgung verbessern
Neues Arzt-Gesetz soll 2011 die Versorgung verbessern

Die Vorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Doris Pfeiffer, sieht den Verhandlungen mit großer Zuversicht entgegen. "Ich bin froh, dass wir jetzt über die Versorgung der Patienten reden und nicht mehr nur über mehr Geld für Ärzte und Krankenhäuser," sagte sie in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Deshalb warnt Frau Pfeiffer auch davor, die Probleme der ärztlichen Versorgung in ländlichen Gebieten durch eine erneute Belastung der Beitragszahler zu lösen. "Einfach noch mehr Geld für unterversorgte Regionen auszuloben, hielte ich für fatal." Es würde am grundsätzlichen Problem, nämlich an der Überversorgung in den Ballungsgebieten, gar nichts ändern. Man solle vielmehr die Zulassungen für Ärzte dem tatsächlichen Bedarf anpassen. Denn einen Mangel an Ärzten kann die GKV-Chefin nicht feststellen.

Mängel bei der Verteilung der Ärzte

Aktuell gibt es in Deutschland 140.000 niedergelassene Mediziner. Rund noch einmal so viele Ärzte arbeiten in Kliniken. Die Zahl der Ärzte ist damit so hoch wie noch niemals zuvor. In Gebieten mit einer Überversorgung gibt es einen Überhang von 25.000 Ärzten, in bestimmten Regionen mit Ärztemangel aber nur 800 Ärzte zu wenig. "Offensichtlich haben wir ein Verteilungs- und kein Mengenproblem," macht Frau Pfeiffer klar. In wenig besiedelten Gebieten wäre es zwar durchaus angemessen, wenn Anreize für Hausbesuche gesetzt werden könnten. Doch wenn es Zuschläge geben soll, so müssen im Gegenzug Abschläge in ärztlich überversorgten Gebieten den Ausgleich schaffen.

Zusammenarbeit trägt zur Lösung bei  

Einen wichtigen Baustein für ein Gesamtkonzept sehen die Krankenkassen in der Lockerung der nahezu zementierten Grenze zwischen Ärzten und Krankenhäusern. Oft würden Behandlungen in einer Klinik nur Stunden oder einen Tag dauern. Die flächendeckende Versorgung mit Lungenfachärzten oder chirurgischen Augenärzten müsse auf ihren Sinn hinterfragt werden. Es sei vielmehr eine gute Zusammenarbeit zwischen den Hausärzten, Fachärzten und Krankenhäusern nötig. Doris Pfeiffer ist sich darüber klar, dass Verhandlungen dazu schwierig werden können. "Dass wir hier ein dickes Brett bohren müssen, liegt auf der Hand."

Flexible Zulassung ist ein Ansatz

Auch der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer hält das jetzige System der ärztlichen Zulassungen für viel zu starr. Es habe den Charakter einer Lebensentscheidung. Zukünftig sollte aber mehr Mobilität möglich sein, um den Ärztemangel auf dem Land zu bekämpfen. Die langfristige Bindung an einen bestimmten Arztsitz sei gerade für junge Ärzte nicht sehr ermutigend. "Es würde ihnen leichter fallen, auch in eine unattraktive Region zu ziehen, wenn sie sich nach einigen Jahren auch wieder neu ausrichten könnten."

Attraktives Einkommen ist notwendig

Singhammer ist der Meinung, dass die Kräfte des Marktes gegen den ländlichen Ärztemangel wirken könnten. Leichterer Zugang zum Beruf, ein attraktives Umfeld und familienfreundliche Bedingungen könnten so manchen Mediziner von den Ballungsgebieten weglocken. Doch er warnt auch vor Abstrichen bei der Bezahlung. Geld sei selbstverständlich nicht alles, doch ein gutes Einkommen sei ein wichtiger Faktor.

Abwanderung der Mediziner muss aufgehalten werden

Der deutsche Steuerzahler bringt rund 300.000 Euro auf, mit denen Studenten zu Medizinern ausgebildet würden. Doch von 10.000 Studienabsolventen gehen 2.500 ins Ausland, und zwar hauptsächlich des Geldes wegen. Singhammer ist der Meinung, dass die Entwicklung der ärztlichen Honorare nicht schlechter sein dürfe als in Großbritannien oder in Skandinavien. Die neue gesetzliche Regelung ist für den CSU-Politiker ausgesprochen wichtig. "Es ist wichtig, dass wir das Versorgungsgesetz im kommenden Jahr anpacken."