Neues Gesetz begrenzt Provisionen für Versicherungsvertreter
Neues Gesetz begrenzt Provisionen für Versicherungsvertreter

Die Provisionszahlungen waren bereits seit einiger Zeit ein ständiger Stein des Anstoßes. In der privaten Krankenversicherung (PKV) sind Zahlungen zwischen 12 und 18 Monatsbeiträgen durchaus üblich. Die PKV-Unternehmen wollen auf diese Weise ihre Vermittler anspornen und möglichst viele neue Kunden gewinnen. Ein weiterer Punkt der Beratungen wird die Stornofrist sein. Bisher liegt diese Frist bei zwei Jahren. Kündigt ein Versicherter innerhalb dieser Frist, so muss der Vermittler einen Teil seiner Provision zurückzahlen. Nach diesen zwei Jahren aber kann der Versicherungsmakler durch einen neuen Abschluss wieder eine hohe Provision einstreichen. Es kann deshalb nicht verwundern, dass manche Vermittler ihre Kunden nach dem Ablauf der Frist zur Kündigung und einem Neuabschluss bei einer anderen Versicherung gedrängt haben. Diesen dubiosen Praktiken soll nun per Gesetz ein Riegel vorgeschoben werden.

Geplante Deckelung wurde entschärft 

Nach dem Gesetzesantrag sollen die Provisionen auf drei Prozent der Beitragssumme begrenzt werden, was im Durchschnitt neun Monatsbeiträgen entspricht. Eigentlich war eine Deckelung von acht Monatsbeiträgen vorgesehen, doch die Koalition will offensichtlich nicht mit zu großer Strenge gegen die hohen Provisionszahlungen vorgehen. Die Stornohaftung dagegen soll wie beabsichtigt auf fünf Jahre erhöht werden. Damit sollen die Vermittler daran gehindert werden, aus Eigennutz den Kunden zu einem Wechsel der Krankenversicherung zu animieren und wieder eine Provision zu kassieren.

Hohe Provisionen treiben Beiträge in die Höhe  

Das Ausmaß der unangemessenen Provisionen mag daran abgelesen werden, dass nicht nur die Politik ein Interesse an einer klärenden gesetzlichen Regelung hat. Der wachsende Unmut bei den privaten Krankenversicherern selbst war zuletzt nicht unerheblich. Der Vorsitzende des PKV-Verbandes, Reinhold Schulte, hatte zugegeben, dass man ohne Hilfe von außen dem wachsenden Problem der zu hohen Provisionszahlungen nicht Herr werden könne. Das Kartellrecht verbiete ein Vorgehen aus den eigenen Reihen. In einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel" sprach der DKV-Vorstandschef Clemens Muth von einem "exzessiv gewordenen Provisionswettlauf". Viele Experten und Branchenkenner sehen die immer weiter steigenden Provisionen als Grund für die Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung.

Beratung am Kunden vorbei

Auch eine weitere Vermutung machte den Eingriff des Gesetzgebers notwendig. Es war durchaus keine Seltenheit, dass potentielle Kunden schlecht beraten wurden. So mancher Berater hatte nur seinen eigenen Vorteil und die bestmöglichen Provisionen im Auge. Die Situation und die Bedürfnisse des Kunden waren bei der Wahl des Unternehmens und des Tarifs nur von geringem Interesse. Volker Leienbach, der Direktor PKV-Verbandes, begrüßt daher die gesetzlichen Regelungen. Es habe durchaus Übertreibungen bei den Provisionen gegeben. Auch habe so mancher Wechsel der Versicherung mit den Wünschen des Kunden wenig zu tun gehabt.

Politische Einigkeit über das neue Gesetz

Das Gesetz soll im zweiten Quartal 2012 in Kraft treten. Die Koalitionspartner CDU/CSU und FDP werden mit dem Provisionsgesetz wohl kaum Probleme haben.  Es rechnet niemand mit Widerständen oder Auseinandersetzungen. Den  Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute wird das nicht freuen. Seine Mitglieder lehnen das Gesetz vollkommen ab. Damit baue man "Misstrauen gegen einen ganzen Berufsstand" auf.

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