Patienten müssen sich auf neue Rabattmedikamente umstellen
Patienten müssen sich auf neue Rabattmedikamente umstellen

Die Rabattverträge der Krankenkassen werden meistens alle zwei Jahre neu ausgehandelt. Die Kassen ermitteln, wie hoch der Verbrauch bestimmter Wirkstoffe bei ihren Versicherten ist. Die Zahlen werden an die Pharmahersteller gemeldet. Die Unternehmen der Pharmaindustrie können auf dieser Grundlage Angebote abgeben. In den Verträgen verpflichten sich die Firmen, die Wirkstoffe innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in einer entsprechenden Stückzahl zu produzieren und zu liefern. Die Firma mit dem besten Angebot erhält den Zuschlag. Damit wollen die Kassen Kosten sparen. Die Apotheker sind seit 2007 verpflichtet, das Medikament abzugeben, für das die jeweilige Krankenkasse einen Vertrag abgeschlossen hat. Wenn der Arzt auf dem Rezept nur den Wirkstoff angegeben hat und den Austausch nicht ausdrücklich untersagt hat, so muss der Apotheker das Medikament aus dem Rabattvertrag auswählen.

Ältere und chronisch kranke Patienten sind verunsichert    

Probleme mit der Behandlung wird es nicht geben, denn der Wirkstoff ist in jedem Fall gleich. Die Packung mit den Tabletten oder Tropfen könnte aber anders aussehen. Das könnte bei den Betroffenen zu Unsicherheiten führen. "Gerade bei chronisch kranken Menschen, die ihre Medikamente genau kennen, führt das zur Verunsicherung", sagt Fritz Becker, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV). Hier könne nur die kompetente Beratung des Apothekers Abhilfe schaffen. Er muss den betroffenen Patienten erklären, dass er kein neues Medikament erhält und das Vertrauen in die Behandlung stärken.

Informationen zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen

Generika sind anderen Arzneimitteln gleichwertig

Durch die Verträge kommen in vielen Fällen Generika zum Einsatz. Das sind sogenannte "Nachahmerprodukte". Wenn der Patentschutz für ein neues Arzneimittel abgelaufen ist, so können auch andere Hersteller Medikamente mit dem entsprechenden Wirkstoff produzieren, die dann kostengünstiger sind als die Originalmittel. Man kann nicht oft genug betonen, dass der Wirkstoff tatsächlich der gleiche ist. Ein Generikum hat also die gleiche Wirkung wie das ursprüngliche Präparat. Das ist vor allem oft für ältere Menschen ein Problem. Sie glauben nicht an die Wirksamkeit des angeblich neuen Medikamentes. Sie nehmen ihre Medikamente deshalb nicht mehr ein, doch das kann weitreichende Folgen haben.

Neue Medikamente für Millionen Versicherte  

Tatsächlich kommt dem Apotheker eine besondere Rolle zu. Es sind Millionen von Patienten, die von den Auswirkungen der Rabattverträge betroffen sein werden. Zum 01. Januar 2013 gelten folgende Rabattverträge: Die IKK Classic hat Verträge zu rund 150 Wirkstoffen abgeschlossen. Nach eigenen Angaben gibt es für ungefähr 80 Betriebskrankenkassen Verträge über 40 Wirkstoffe, und der AOK-Verbund hat Rabattverträge für 20 Wirkstoffe ausgehandelt. Zum 01. Februar folgen weitere Betriebskrankenkassen, und auch bei der Techniker Krankenkasse (TKK) gelten von diesem Datum ab Verträge für rund 20 Wirkstoffe.

Rabattverträge helfen bei der Kostenkontrolle  

Der Grund für den Abschluss von Rabattverträgen liegt in der Finanzierung des Gesundheitssystems. Die explodierenden Kosten bei den Arzneimitteln sollen unter Kontrolle gebracht werden. Im Jahr 2011 konnten die Krankenkassen nach den Angaben des Gesundheitsministeriums rund 1,6 Milliarden Euro durch den Einsatz der Generika einsparen. Die Befürchtung von Kritikern, dass es durch die Verträge zu Engpässen bei der Lieferung kommen könnte, haben sich bisher nicht in großem Stil bestätigt.