PKV – das Ende der Rosinenpickerei?
PKV – das Ende der Rosinenpickerei?

Private Krankenversicherungen sind gemeinhin recht wählerisch, welchen Antragstellern sie die Pforten öffnen. Ein hohes Einkommen oder der Status als Selbstständiger alleine reichen nicht aus. Nach Möglichkeit sollte auch die Krankenakte blütenweiß sein. Anderenfalls muss mit Risikozuschlägen, Ausschlüssen und teils auch mit der roten Karte gerechnet werden. Gegner der PKV sprechen in dem Zusammenhang von Rosinenpickerei. Vier private Krankenversicherungen wollen jetzt beweisen, dass es auch anders geht, und bieten Angestellten mit Vorerkrankungen eine Vollversicherung an.

Bedingung ist – wie immer bei der privaten Krankenversicherung –, dass die Versicherungspflichtgrenze überschritten wurde. Das erstmalige Erreichen dieses Wertes, der aktuell bei einem Einkommen von 4.350 Euro pro Monat liegt, darf maximal ein halbes Jahr zurückliegen. Dann haben bei der Debeka, der Signal Iduna, der HUK-Coburg und demnächst wohl auch bei der Barmenia zeitlich befristet auch Angestellte mit Vorerkrankungen eine Chance. Die Unternehmen garantieren, dass eine Krankenvollversicherung abgeschlossen werden kann. Mit Risikozuschlägen muss aber nach wie vor gerechnet werden. Allerdings deckeln die Assekuranzen die Zuschläge bei 30 Prozent.

Zwei Punkte fallen bei der Aktion auf: Zum einen der Umstand, dass es sich ausschließlich um Versicherungsvereine handelt. Sie gehören den Mitgliedern und müssen sich nicht gegenüber Aktionären rechtfertigen. Das macht es deutlich leichter, vom bewährten Pfad abzuweichen. Andererseits ist auch der Zeitpunkt für den Wandel nicht völlig aus der Luft gegriffen: 2013 ist Wahljahr. Da gilt es, PKV-Kritikern und Befürwortern der Bürgerversicherung – also SPD, Grünen und Linken – ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen, um den eigenen Fortbestand zu sichern. Bislang sei der Vorstoß gut angekommen, bilanziert die Debeka. Gegenüber der Ärzte-Zeitung erklärte der Vorstandsvorsitzende Uwe Laue, man wolle Erfahrungen sammeln und die Öffnung gegebenenfalls auch auf Selbstständige ausweiten.

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