Private Krankenversicherung entwickelt Mindestleistungen
Private Krankenversicherung entwickelt Mindestleistungen

Wie das "Versicherungsjournal" berichtet, will die Branche mit der Entwicklung von Mindestleistungen der negativen Kritik der letzten Zeit und dem angekratzten Image der PKV insgesamt entgegentreten. In einigen älteren, besonders günstigen Tarifen bietet die private Krankenversicherung teilweise schlechtere Leistungen als die gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Diese Nachteile haben immer wieder Kritik von Verbraucherschützern und Kassen ausgelöst. Nun sollen festgelegte Mindestleistungen hier Abhilfe schaffen. Nach Angabe des "Versicherungsjournals" sind die Kriterien noch nicht veröffentlicht, haben aber bereits konkrete Gestalt angenommen. Vorrangig geht es bei den strittigen Leistungen um Hilfsmittel, um ambulante Therapien und Behandlungen zur Entwöhnung. Bei der ambulanten Psychotherapie sollen die Versicherten der PKV Anspruch auf mindestens 50 Sitzungen pro Jahr haben, die von qualifizierten Ärzten und Psychologen durchgeführt werden. Der einzelne Versicherer kann dabei festlegen, dass die Zustimmung vorher schriftlich erfolgen muss.

GKV hat größeren Spielraum bei ambulanter Psychotherapie   

Auch kann nach den Empfehlungen der Arbeitsgruppe eine Eigenbeteiligung für die Behandlungskosten vereinbart werden, was aber nach Ansicht des Gremiums die Leistungen wieder schmälern würde. Wird dieser Vorschlag akzeptiert, so wird zwar im Bereich der ambulanten Psychotherapie eine Grundlage geschaffen, doch die Leistungen der GKV werden nicht erreicht. Hier gibt es keine Einschränkungen oder direkte Begrenzungen, sondern nur Richtwerte, die sich nach der jeweiligen Form der Therapie richten.

Offener Hilfsmittelkatalog für die PKV

Die Grundlage in vielen Tarifen der PKV sind geschlossene Kataloge für Hilfsmittel. Nur für die Mittel, die in diesen Katalogen aufgeführt sind, werden die Kosten auch übernommen. Ein Versicherter der GKV erhält ein Hilfsmittel, wenn es der Arzt verordnet hat und wenn es im Verzeichnis der Mittel steht. Es gibt aber durchaus auch die Möglichkeit, nicht aufgeführte Hilfsmittel zu erhalten, wenn die medizinische Notwendigkeit vorliegt. Die Arbeitsgruppe empfiehlt ebenfalls einen offenen Hilfsmittelkatalog, weil ein geschlossenes System der Akzeptanz des medizinischen Fortschritts nicht gerecht wird. Ausgeschlossen sollen wie in der GKV die Hilfsmittel werden, die nur geringen therapeutischen Wert haben. Dem Versicherer soll aber weiterhin die Möglichkeit eingeräumt werden, die Leistungen zu begrenzen. Das kann durch Höchstgrenzen, Beschränkung auf Standardausführungen oder die Festlegung auf einen Lieferanten geschehen.

Behandlung von Suchtkrankheiten wird verbessert  

Nach den Vorstellungen der PKV-Arbeitsgruppe sollen die Versicherten ein Recht auf drei stationäre oder ambulante Suchtbehandlungen haben. Wie in der GKV soll auch eine Nikotinentwöhnung nicht gezahlt werden. Voraussetzung für die Übernahme der Kosten ist die Durchführung der Behandlung in qualifizierten Einrichtungen. Auch hier kann die Behandlung von der schriftlichen Zusage des Versicherers abhängig gemacht werden. Ebenfalls soll eine Selbstbeteiligung von 30 Prozent möglich sein. Der Versicherer kann die Bezahlung der Maßnahme auf die regulären Leistungen wie zum Beispiel ein Mehrbettzimmer einschränken. Auch in der GKV gibt es für Suchtbehandlungen starke Einschränkungen und Bedingungen. Damit würde sich die PKV an die Bedingungen der GKV annähern. Während aber die GKV eine Suchtbehandlung alle vier Jahre erlaubt, zahlt die PKV "maximal drei Behandlungen während der Vertragslaufzeit".

Verständigung auf Mindestleistungen ist mühsam  

Wie das "Versicherungsjournal" anmerkt, wird eine Umsetzung der Empfehlungen schwierig sein. Obwohl es bei der geplante Etablierung von Mindestleistungen nur um einige Bereiche geht, scheint eine Einigung problematisch. Ein PKV-Unternehmen kann beispielsweise die Notwendigkeit von ambulanten Therapien nicht anerkennen. Der Versicherer wollte eine Festlegung auf eine bestimmte Anzahl von Sitzungen nicht mittragen. Es bleibt abzuwarten, ob eine Einigung und die geplante Umsetzung der erarbeiteten Kriterien im Zuge der Einführung der Unisex-Tarife erfolgreich sein wird.