Private Krankenversicherung erwartet mittelfristig Zuwächse
Private Krankenversicherung erwartet mittelfristig Zuwächse

Die Versicherungspflichtgrenze wird zum 01. Januar 2011 abgesenkt. Die dreijährige Wechselfrist, die ein gesetzlich Versicherter Arbeitnehmer einhalten musste, bis er einen privaten Krankenversicherungsvertrag abschließen konnte, wurde abgeschafft. Nun kann dieser Personenkreis bereits nach einem Jahr in die PKV wechseln. Berufseinsteiger mit entsprechendem Gehalt können sich sofort privat versichern. Auch sollen die Privatpatienten von den Preisverhandlungen der gesetzlichen Krankenkassen mit den Pharmafirmen profitieren. Medikamente könnten damit auch für die privat Versicherten preiswerter werden. Aber den prognostizierten Ansturm auf die privaten Krankenversicherungen gibt es bisher noch nicht. Clemens Keller, der Leiter Krankenversicherer beim Finanzdienstleister MLP, kann trotzdem großes Interesse an den Produkten der privaten Krankenversicherung feststellen.

Diskussion um Beitragserhöhung

“Seit Jahresanfang verspüren wir eine große, gestiegene Nachfrage nach privaten Krankenversicherungen,“ berichtet Keller. Der Grund für diese Nachfrage könnte die öffentliche Diskussion um die Beitragserhöhnungen in der gesetzlichen Krankenversicherung sein. Die Befürchtungen, dass die Leistungen der Krankenkassen immer mehr zurückgeschraubt werden und im Gegenzug die Beiträge immer höher werden, könnte den Eintritt in die private Krankenversicherung attraktiv machen.

Optionstarife nehmen zu  

Doch hinter diesen Zahlen stehen in den meisten Fällen Kunden, die schon seit längerer Zeit auf dem Weg in die privaten Krankenversicherungen sind. Von diesen Interessenten haben viele oft sogenannte “Optionstarife” erworben. Das sind Tarife, mit denen man sich den Wechsel in die PKV zu einem späteren Zeitpunkt offenhalten kann. Dann wird aber keine neue Gesundheitsprüfung durchgeführt. Auch gibt es keine Wartezeiten. In den Jahren 2008 und 2009 sind nach den Aussagen Kellers nur wenige dieser Optionstarife eingelöst worden, weil die dreijährige Wartefrist das verhindert hat. Doch aktuell gibt es wieder mehr dieser Tarife.

Gute Produkte fördern das Kundeninteresse  

Die politischen Rahmenbedingungen verbessern zwar die Situation der PKV-Unternehmen, doch einen regelrechten Boom lösen sie nach Einschätzungen der Verantwortlichen nicht aus. So wird die Zahl der Kunden zwar stark ansteigen, sagt HanseMerkur-Vorstand Eberhard Reinhold Sautter. “Das liegt aber nicht an den politischen Vorgaben, sondern an unseren Produkten und dem Vertrieb.” Debeka-Chef Uwe Laue sieht die Lage ähnlich. Durch die politischen Veränderungen bekäme die PKV keinen wirklichen Zulauf von neuen Kunden. “Das sähe anders aus, wenn die Versicherungspflichtgrenze um 10.000 Euro gesenkt worden wäre.

Politisches Bekenntnis zur PKV

Beim PKV-Verband sind die Erwartungen in Bezug auf neue Kunden ebenfalls eher gedämpft. Verbandsdirektor Volker Leienbach geht nicht von hohen Wachstumsraten für das laufende Jahr aus. Aber: “Wir haben ein Bekenntnis der Regierung zur PKV, das gab es vorher nicht.” Deshalb erwartet Leienbach, dass sich die veränderte politische Landschaft mittelfristig gesehen auf die privaten Krankenversicherer positiv auswirken wird. Auch die Ausdehnung der Rabattverträge auf die PKV ist für Volker Leienbach eine wichtige Veränderung. Die Versicherten können davon profitieren, denn durch die Einsparungen bei den Arzneimitteln können die privaten Krankenversicherer ihre Beiträge günstiger kalkulieren und nötige Anpassungen später vornehmen.