Private Krankenversicherung soll für Arzneimittelrabatte zahlen
Private Krankenversicherung soll für Arzneimittelrabatte zahlen

In Zukunft werden die privaten Krankenversicherungen voraussichtlich zehn Prozent der Kosten für die Bewertung von neuen Arzneimitteln übernehmen. Diese Gutachten stellen die Grundlage für die Rabattverhandlungen zwischen den Pharmafirmen und der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) dar. Erst kürzlich hatte die Regierung überraschend beschlossen, die neuen Arzneimittelrabatte für die gesetzliche Krankenversicherung auch auf die private Krankenversicherung auszuweiten. Der PKV-Verband begrüßte die neuen Beschlüsse der Regierung. Ein Sprecher des Verbands erklärte, man wolle sich vollständig an den Verhandlungen beteiligen. Der Verband der gesetzlichen Krankenversicherungen gab sich hingegen weniger begeistert: Die privaten Krankenversicherungen würden bewusst vom Wissen und Können der gesetzlichen Krankenkassen profitieren, erklärte ein Sprecher. Es sei daher das Mindeste, dass sie sich angemessen an den Kosten beteiligten. Indessen hat die Regierung auch die Vorwürfe zurückgewiesen, sie würde mit ihrer Gesundheitspolitik nur im Sinne der privaten Krankenversicherung agieren. Vor kurzem hatte die Berliner Zeitung eine Berechnung veröffentlicht, nach der die Änderungen im geplanten Gesundheitswesen den privaten Krankenversicherungen einen Zugewinn von einer Milliarden Euro ermöglichen würden.

PKV-Verband stimmt Kostenbeteiligung zu

Durch den neuen Beschluss der Regierung sollen die privaten Versicherer künftig zehn Prozent der Kosten für die Nutzungsbewertung von neuen Medikamenten tragen, die bei den Krankenkassen, dem Gemeinsamen Bundesausschuss und dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) anfallen. Der PKV-Verband zeigte sich erfreut über die Beschlüsse. Wie ein Sprecher des Verbands erklärte, wolle man sich mit allen Rechten und Pflichten an den Verhandlungen beteiligen. Der Sprecher vom GKV-Spitzenverband, Florian Lanz, betonte hingegen, es sei das Mindeste, dass sich die privaten Krankenversicherungen an den Kosten beteiligen würden. Die Versicherer würden schließlich bewusst vom Wissen und Können der gesetzlichen Krankenkassen profitieren, da sie ihre Probleme aus eigener Kraft nicht lösen könnten.

Gesundheitspolitik in der Kritik

Claudia Roth, Vorsitzende der Grünen, warf Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vor, nur im Sinne der Interessen der privaten Krankenversicherung und der Pharmabranche zu agieren. Rösler sei daher ein Handlanger der Pharmaindustrie. Zudem sei er nicht der Minister der 70 Millionen gesetzlich Versicherten, sondern arbeite nur für die acht Millionen Privatversicherten, so Roth

Die Debatte gegen die Gesundheitspolitik verschärfte sich weiter, nachdem die Berliner Zeitung vor kurzem eine Statistik veröffentlichte, laut der die Reformpläne der Regierung der privaten Krankenversicherung eine Milliarde Euro Zugewinn ermöglichen würde. Die Zeitung hatte berichtet, dass allein die Verkürzung der Wartezeit für den Wechsel in die private Krankenversicherung den privaten Versicherern Gewinne von rund 500 Millionen Euro ermöglichen würden. Ein Plus von weiteren 250 Millionen Euro sollen die privaten Unternehmen zudem erwirtschaften, weil die Koalition die Wahltarife der gesetzlichen Krankenversicherungen abschaffen wollten.

Angeblicher Milliarden-Gewinn zurückgewiesen

Das Bundesgesundheitsministerium wehrte diese Berechnung jedoch vehement ab. Ein Ministeriumssprecher erklärte, die Zahlen würden jeglicher Grundlage entbehren. Er sagte, dass die Wahltarife zwar gekürzt, aber nicht abgeschafft werden sollten. Volker Leienbach, Vorstandsvorsitzender des PKV-Verbands zeigte sich verärgert in Bezug auf den Bericht der Berliner Zeitung. Es handle sich dabei um wilde Fantasiezahlen. Leienbach geht von Zugewinneeffekten in Höhe von 78 Millionen Euro im Jahr aus.