Schweinegrippe: Experten gegen Weltgesundheitsorganisation
Schweinegrippe: Experten gegen Weltgesundheitsorganisation

Ein gravierender Vorwurf der Experten ist der, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) völlig grundlos die Schweinegrippen-Panik geschürt hat. Der Epidemiologe Ulrich Klein von der Universität in Münster macht keinerlei Hehl aus seiner Ansicht: „Es werden unglaubliche Mengen an Geld verschwendet in Pandemien, die eigentlich gar keine sind.“ Die Anhörung soll klären, ob die WHO tatsächlich die nötige Transparenz beim Umgang mit der neuen Grippe hat walten lassen. Vor allem steht Margaret Chan, die Generaldirektorin der WHO in der Kritik, weil sie die Schweinegrippe im Juni des vergangenen Jahres zur Pandemie erklärt hat. Daraufhin setzten viele Länder ihre nationalen Pandemiepläne in Gang. Auch in Deutschland wurden daraufhin 50 Millionen Impfdosen bestellt.

Pandemie rechtens

„Interessanterweise gab es da schon verbindliche Verträge mit Glaxo Smith Kline“, sagt Professor Keil. Wolfgang Wodarg bekräftigt diese Vorwürfe. Es habe bereits 2006 und 2007 Verträge mit den Pharmaunternehmen gegeben. „Die Firmen warteten praktisch nur auf dieses Geschäft.“ WHO-Vizegeneraldirektor Keiji Fukuda wehrt sich gegen die Kritik. Es seien besonders junge Menschen gewesen, bei denen sich die Schweinegrippe mit schweren Verläufen und gehäuften Todesfällen manifestiert habe. Die saisonale Grippe würde so nicht in Erscheinung treten. Er ist ganz sicher, dass die Pandemie noch nicht vorbei ist. „Die WHO nimmt ihre Rolle zur Verbesserung der Gesundheit sehr ernst.“ 

Pharmadruck 

Wolfgang Wodarg hat weiterhin den Verdacht geäußert, dass die Pharmaindustrie bei der Einstufung der Schweinegrippe ihre Hände im Spiel gehabt habe. Er wirft der WHO vor, sie habe ihre Unabhängigkeit aufgegeben und sich von den Pharmaherstellern beeinflussen lassen. Fukuda hat nach seinen Angaben aber keinerlei Hinweise ausmachen können, dass die Pharmakonzerne Druck auf die WHO ausgeübt hätten. Eine Einflussnahme der Konzerne gebe es keinesfalls. Luc Hessel vom Europäischen Verband der Impfstoffhersteller will diesen Vorwurf ebenfalls nicht unbeantwortet lassen. Investitionen seien mit eigenem Risiko getätigt worden, und es sei keineswegs absehbar gewesen, wann sich das rechnen würde. Einen Einfluss auf die Gesundheitspolitiker aus finanziellen oder Gründen der Profitmaximierung habe es nicht gegeben.

Harmloses Virus 

Doch Zweifel bleiben. Immerhin ist das Virus der Schweinegrippe weit ungefährlicher als zunächst gedacht. Die „normale“ Grippe fordert sicherlich mehr Opfer als die Schweinegrippe. Trotz aller Gegenargumente sind die schwerwiegenden Fragen für Wolfgang Wodarg noch nicht geklärt. Anfänglich musste eine Infektion sehr viele Erkrankungen und Todesfälle verursachen, bevor sie zur Pandemie erklärt werden konnte. Die WHO hatte im Mai des vergangenen Jahres die bis dahin gültige Definition geändert. Das war der Startschuss dafür, eine „stinknormale Grippe zu einer Pandemie hochzustilisieren“. Nur deshalb wären Millionen von Menschen geimpft worden, sagt Wolfgang Wodarg. Das sei gar nicht unbedingt nötig gewesen, sei aber zum Vorteil der Pharmakonzerne passiert.

Transparenz gefordert

Auch die deutschen Behörden sind nach Ansicht des SPD-Politikers nicht unschuldig an der unangemessenen Panik. Man hätte bereits im Oktober 2009 wissen können, dass die Infektionen in den meisten Fällen harmlos verlaufen. Doch trotzdem hätte sowohl das Robert-Koch-Institut als auch das Paul-Ehrlich-Institut „wider besseres Wissen“ immer wieder betont, dass eine zweite Welle durchaus im Bereich des Möglichen wäre. Allgemein wäre wohl mehr Aufklärung und weniger Panikmache angesagt gewesen. Das muss auch Keiji Fukuda zugeben. „Natürlich können wir die Dinge verbessern.“ Die WHO muss sich nach der Offenheit und Durchschaubarkeit ihrer Handlungen messen lassen.

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