Steigende Zusatzbeiträge verändern Krankenkassenlandschaft
Steigende Zusatzbeiträge verändern Krankenkassenlandschaft

Bis zu 37,50 Euro mehr im Monat für die Krankenkasse wollten sich viele Versicherte nicht bieten lassen. Eine beispiellose Wechselwelle sorgte in den vergangen Tagen für Schlagzeilen. Mit der AOK und der Techniker Krankenkasse (TK) profitierten vor allem die großen Krankenkassen von der Wechselbereitschaft. Sie geben wie zahlreiche andere gesetzliche Krankenkassen an, für 2010 keinen Zusatzbeitrag erheben zu müssen. Wie sicher diese Aussage für die kommenden Monate ist, hängt vor allem mit der gewaltigen Finanzierungslücke des Gesundheitssystems zusammen. Wird diese größer, ist auch bei größeren Versicherern durchaus mit Zusatzbeiträgen zu rechnen.

Derzeit keine Krise

Der Chef des Ersatzkassenverbandes vdek, Thomas Ballast, spricht dennoch nicht von einer Krise. Bei keiner Krankenkasse gebe es trotz der großen Verluste an Versicherten eine wirklich problematische Entwicklung. Der Zusatzbeitrag spülte den Krankenkassen eine nicht unerhebliche Menge an Mitteln in die Kassen, was derzeit ausreicht, um Leistungseinbußen oder gar Insolvenzen zu verhindern.

Gesetzliche Krankenkasse: Drastische Verminderung der Unternehmen

Die Krankenkassen werden dennoch beim Zusatzbeitrag bleiben, da nicht von einer dauerhaft entspannten Finanzlage ausgegangen wird, so Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. „Fest steht, dass 2012 und stärker noch 2013 vermehrt mit Zusatzbeiträgen zu rechnen ist.“ Mit den steigenden Zusatzbeiträgen wird sich laut Wasem die Spannbreite zwischen den Krankenkassen ausweiten. Die Beitragserhöhungen zum 1. Januar 2011 und die derzeit stabile Konjunktur bringen zwar vermehrt Einnahmen, die bei einzelnen Kassen ausreichen könnten, um den Zusatzbeitrag zurückzunehmen. Allerdings sind die Sparpläne der Bundesregierung alles andere als sicher. Vor allem bei den Betriebskrankenkassen wird es außerdem zu Zusammenschlüssen kommen. „In fünf Jahren werden wir bei rund 100 Kassen sein“, prognostiziert Wasem. Anfang 2009 gab es in Deutschland noch rund 200 Krankenkassen.

Arbeitgeber sollen bei Krankenkassen nicht mehr mitreden dürfen

Aufgrund der wachsenden Belastung für die gesetzlich Krankenversicherten hält SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ein Mitspracherecht der Arbeitgeber für unangemessen. Der Beitragssatz soll im kommenden Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent steigen. Der Sonderbeitrag für Arbeitnehmer von 0,9 Prozent gilt weiterhin – Arbeitnehmer müssen dann 8,2 Prozent des Einkommens zahlen, Arbeitgeber weiterhin 7,3 Prozent. „Wer an den künftigen Kostensteigerungen nicht mehr beteiligt ist, hat das Recht verwirkt, bei den Krankenkassen weiter mitzureden“, so Lauterbach gegenüber der „Berliner Zeitung“.