Studie: Ärzte müssen auf Kosten der Patienten sparen
Studie: Ärzte müssen auf Kosten der Patienten sparen

Am Donnerstag wird in Berlin um 11 Uhr der diesjährige Gesundheitsreport vorgestellt, dieser wird mit Unterstützung der Bundesärztekammer seit 2006 von dem Finanzdienstleister MLP in Zusammenarbeit mit dem Allensbach Institut für Demoskopie mittels Umfragen erstellt. Die Meinungsforscher befragten aktuell 524 Ärzte in ganz Deutschland, 55 Prozent von ihnen gaben an, aus Kostengründen schon einmal auf nötige Behandlungen verzichtet zu haben, bei zwölf Prozent komme dies sogar häufig vor. Lediglich 42 Prozent der befragten Ärzte antworteten, dass so etwas in ihren Praxen noch nicht vorgekommen sei. Zusätzlich zu den Ärtzen befragte das Allensbach Institut auch 1.800 Bundesbürger nach ihrer Einschätzung zur medizinischen Versorgung, 35 Prozent von ihnen haben der "Bild" zufolge schon einmal das Gefühl gehabt, dass sie aus Kostengründen nicht die nötigen Medikamente oder Behandlungen erhalten hätten.

Ein Problem der gesetzlich Versicherten?

Von den befragten Bürgern sahen 38 Prozent der gesetzlich Versicherten kostenbedingte Einschränkungen in der medizinischen Versorgung, von den privat Versicherten gaben dies der Umfrage zufolge nur neun Prozent an. Insgesamt seien 53 Prozent der Deutschen besorgt über solche Einschränkungen bei ärztlichen Behandlungen. Auf der anderen Seite beklagen insbesondere die Hausärzte das fehlende Kostenbewusstsein der Bürger. Etwa 70 Prozent der Ärzte gaben an, dass häufiger Behandlungen ohne Notwendigkeit in Anspruch genommen würden, 28 Prozent hielten das Phänomen für eine Ausnahme.

Bayerische Zahnärzte schlugen bereits Alarm

Anfang November hatten die bayerischen Zahnärzte bereits gegen die Deckelung ihrer Budgets protestiert: Kassenpatienten erhielten keine Termine mehr und es wurden nur noch Notfälle behandelt, weil die Budgets aufgebraucht waren und kein Geld mehr bei den Zahnärzten ankam. Die Krankenkassen wiederum sahen die Kassenzahnärztliche Vereinigung in der Schuld, die Gelder nicht richtig verteilt zu haben. Wer auch immer die Schuld trug, ausbaden mussten es die gesetzlich versicherten Patienten. Privat Versicherte erhielten weiterhin Behandlungen und Termine, da die Finanzierung ihrer Leistungen gesichert war.

Weitere Themen des Gesundheitsreports

Der diesjährige Gesundheitsreport befasst sich außer mit der Versorgungssicherheit auch mit aktuellen Aspekten der Gesundheitspolitik. Die Teilnehmer der Umfrage wurden nach ihren Einschätzungen zur Gesundheitsreform ebenso befragt wie nach ihrer Bewertung des deutschen Gesundheitssystems im internationalen Vergleich. Erstmals wurden dazu auch Befragungen in der Schweiz, den Niederlanden und in Schweden durchgeführt, um einen internationalen Vergleich anstellen zu können. Außerdem wurden Meinungen zur Erhöhung der Zusatzbeiträge und der Lastenverteilung insgesamt eingeholt.