Wahltarife zurück zur privaten Krankenversicherung
Wahltarife zurück zur privaten Krankenversicherung

Mit der Gesundheitsreform 2007 war es den gesetzlichen Krankenkassen erlaubt worden, ebenso wie die private Krankenversicherung (PKV) Zusatz- und Wahltarife anzubieten. Privilegien der Privatpatienten wie Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus konnten nun auch von gesetzlich Versicherten dazu gebucht werden. Für die GKV eine Möglichkeit, gut verdienende Versicherte in der Krankenkasse zu halten, für die PKV jedoch ein Angriff auf ihre Daseinsberechtigung. Die Rücknahme dieses Freibriefes für die GKV weckt bei Kritikern den Verdacht der Klientelpolitik, die gesetzlichen Krankenkassen sehen ihre Einnahmen gefährdet. Sie dürfen künftig nur noch Wahltarife mit Selbstbehalt und Kostenerstattung anbieten. Die Techniker Krankenkasse wird ihren Wahltarif „TK-Privat-Praxis“ zum Jahresende wegen Unrentabilität einstellen.

Wahltarife in der Sozialversicherung fehl am Platz

Die privaten Versicherer, denen die Konkurrenz der GKV ohnehin ein Dorn im Auge ist, monieren den Wettbewerb der gesetzlichen Krankenversicherung mit der Privatwirtschaft. Wahl- und Zusatztarife hätten in einer Sozialversicherung nach dem Solidaritätsprinzip nichts zu suchen, so Volker Leienbach vom Verband der privaten Krankenversicherung. Diese Tarife seien bei der privaten Krankenversicherung besser angesiedelt. 

Privat-Tarif rechnet sich für GKV kaum

Ärzte und Versicherte profitieren gleichermaßen von den Wahltarifen, welche die gesetzlich Versicherten auf den Status eines Privat-Privatpatienten erheben. Die niedergelassenen Ärzte können 3,5-mal höhere Honorarsätze abrechnen, die Patienten werden in den Praxen entsprechend bevorzugt und erhalten beispielsweise schneller Termine.

Der einzige Verlierer dieses Angebots war die Krankenkasse selbst. Die Zahl der Nutzer des Wahltarifes war schlicht zu hoch, sodass sich die Finanzierung durch das Umlageverfahren nicht mehr rechnete. Deshalb musste das Angebot zum Jahresende eingestellt werden. Weil die gesetzlichen Krankenkassen keine risikogerechten, sondern einheitliche Prämien anbieten, können sie die Kosten für beispielsweise chronisch Kranke nicht ausgleichen, wie es die private Krankenversicherung praktiziert.

Kostenerstattung und privater Zusatztarif als Alternative

Für die Versicherten, die zwar in der gesetzlichen Krankenversicherung verbleiben, aber dennoch nicht auf die Privilegien eines Privat-Patienten verzichten möchten, können sich für die Kostenerstattung entscheiden. Die Ärzte verbuchen weiterhin die Honorarsätze für Privat-Patienten, die gesetzliche Krankenkasse erstattet jedoch nur den Standardsatz, rund 40 Prozent der Rechnung. Der restliche Betrag kann über einen Zusatztarif bei einer privaten Krankenversicherung abgesichert werden.

Die Ergänzung des gesetzlichen Versicherungsschutzes durch private Anbieter ist in der Sozialversicherung inzwischen weit verbreitet, die private Vorsorge der Versicherten gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Ob es um die Altersvorsorge, zusätzliche Versicherungen im Pflegefall oder nur um Zahnersatz geht – der Schutz der gesetzlichen Versicherungen reicht oft nicht mehr aus.