Zusatzbeiträge sorgen für Exodus bei Krankenkassen
Zusatzbeiträge sorgen für Exodus bei Krankenkassen

5.300 Mitglieder soll die DAK bereits verloren haben, bei der Deutschen BKK sind es 1.000, wie dpa berichtet. Allerdings hat keine der beiden Krankenkassen diese Zahlen bisher bestätigt. Gesundheitsminister Philipp Rösler rief die betroffenen Patienten auf, einen Wechsel der Krankenkasse vorzunehmen. Dies stärke den künftigen Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Kritiker befürchten ein nicht zu überschauendes Chaos an Bürokratie, das durch den massenhaften Wechsel tausender Mitglieder ausgelöst werden könnte. Der Apothekerverband warf den Krankenkassen inzwischen vor, Einsparungen durch Rabattverträge nicht an die Versicherten weiterzugeben.

Apotheker: Zusatzbeiträge vermeidbar

Nach Ansicht des Chefs des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Fritz Becker, hätten die Zusatzbeiträge vielen Versicherten erspart bleiben können. Die Krankenkassen erzielen jedes Jahr Einsparungen in Milliardenhöhe durch Rabattverträge mit den Pharmaherstellern. Jedoch würden diese Einsparungen nicht in angemessener Höhe an die Mitglieder weitergeben. Dieses Geld bleibe meist bei den Krankenkassen, womöglich, um die Verwaltung zu finanzieren, so Becker. Er forderte daher mehr Transparenz von den Krankenkassen. Bisher äußerte sich lediglich die DAK zu den Vorwürfen: Eine Sprecherin dementierte die Anschuldigungen und verwies auf geringere Arzneimittel-Zuzahlungen für Versicherte, die durch die Rabattverträge möglich gemacht werden.

Wettbewerb durch Wechsel

Gesundheitsminister Rösler forderte die Versicherten der Krankenkassen mit Zusatzbeitrag dazu auf, von dem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen. Nur so können die Versicherten ihre Marktmacht ausspielen und für mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen sorgen. Allerdings befürchtet Doris Pfeiffer vom Spitzenverband der Krankenkassen, dass viele Krankenkassen bald einen Zusatzbeitrag erheben werden. Der Vorwurf seitens der Krankenkassen geht dabei stets gegen die frühere schwarz-rote Bundesregierung. Diese habe den Gesundheitsfonds so konzipiert, dass die Einnahmen des Fonds zwar gerade die Ausgaben im Gesundheitswesen decken, nicht aber die Kostensteigerungen.

Ziel: Kosten senken

Daher plädieren alle Akteure für eine Senkung der Kosten, zumindest solle eine weitere Erhöhung der Ausgaben vermieden werden. Der GKV-Spitzenverband weist in diesem Zusammenhang vor allem immer wieder auf die Ärztehonorare und Kosten für Arzneimittel hin. Es müsse eine Ausgabenbegrenzung her, so der Verband. Nach Ansicht von Doris Pfeiffer sind im derzeitigen System die Zusatzbeiträge unvermeidlich. Viele Krankenkassen werden im Laufe des Jahres nachziehen, so Pfeiffer.

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