Verschleierte Frauen riskieren den Mangel an Vitamin D
Verschleierte Frauen riskieren den Mangel an Vitamin D

Die bedeutsame Rolle des Vitamin D für den Knochenaufbau ist bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts kein Geheimnis mehr. Doch nach neueren Untersuchungen beschränkt sich die Wirkung des Vitamins nicht nur auf den Kalziumstoffwechsel. Es hat deutlichen Einfluss auf die psychische Stabilität und wirkt auf das Immunsystem. Aber auch beim Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Entwicklung einiger Krebsarten spielt das Vitamin D eine Rolle. Deshalb kommt einer aktuellen Studie besondere Bedeutung zu. "Wer selten raus geht oder seine Haut bedeckt, ist nicht in der Lage, genügend Vitamin D zu produzieren", sagt die Christa Scheidt-Nave. Sie ist Epidemiologin am Robert-Koch-Institut (RKI). Menschen mit einem geringen Gehalt an Vitamin D im Blut neigen vermehrt zu Erkältungskrankheiten, haben öfter Rheuma oder Diabetes.

Menschen mit dunkler Haut brauchen mehr Sonne

Lediglich 20 Prozent des Bedarfs an Vitamin D wird durch die Nahrung aufgenommen. Den weitaus größeren Anteil muss der Körper selbst herstellen. Nach den Angaben des RKI ist es gerade für Menschen aus Ländern mit intensiver Sonnenstrahlung wichtig, dass sie das notwendige Vitamin D durch die Sonne auf der Haut bilden können. "Um eine vergleichbare Menge an Vitamin D zu produzieren, müssen sich hier dunkler pigmentierte Menschen etwa sechs Mal so viel der Sonne aussetzen wie hellere Hauttypen", erklärt Scheidt-Nave die Unterschiede.

Verschleierung verhindert Bildung von Vitamin D

Das wirft ein Schlaglicht auf die zahlreichen verschleierten Frauen in Deutschland. Sie bewegen sich in der Öffentlichkeit und im Freien nur dann, wenn sowohl der Kopf als auch die gesamte Haut bedeckt sind. Legt man die neusten Erkenntnisse zugrunde, so könnten gerade diese Frauen gesundheitliche Schäden davontragen. Selbst geringe Mangelzustände könne auf lange Sicht nicht nur der Stabilität der Knochen schaden, sondern auch zum Ausbruch gefährlicher und chronischer Krankheiten beitragen. Vor allem Kinder, die sich in der Wachstumsphase befinden, brauchen das Vitamin. Rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund wiesen bei Untersuchungen einen mäßigen bis schweren Mangel an Vitamin D auf.

Keine Kritik an der Verschleierung

Die Islamverbände sind in ihren Reaktionen auf die medizinischen Studien sehr zurückhaltend. Man will dort auf keinen Fall, dass die Ergebnisse instrumentalisiert werden, um beispielsweise ein Kopftuchverbot durchzusetzen. "Man sollte die Meinungen der Experten als rein gesundheitliche Kritik auslegen und nicht als Kritik an der Verschleierung", sagt Ali Ihsan Ünlü, der Generalsekretär der Deutsch-Türkisch Islamischen Anstalt für Religionen (DITIB). Andere islamische Gruppierungen stimmen dieser Sichtweise zu. Sie haben solche Probleme noch nicht thematisiert, denn derartige Schwierigkeiten seien bisher unbekannt gewesen.

Ohne Sonne geht es nicht

Seit Jahren warnen Mediziner vor den Folgen zu starker Sonneneinstrahlung, vor schädlicher UV-Strahlung und den Gefahren durch Hautkrebs. Doch ganz ohne Sonne, Licht und Luft geht es offensichtlich auch nicht. Fachleute sagen, dass nichts gegen moderate Sonneneinstrahlung spricht. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich wie so oft in der Mitte. Wer stundenlang in der Sonne brät, erhöht sicherlich das Risiko einer Erkrankung an Hautkrebs. Doch totale Verschleierung birgt offensichtlich andere Risiken. Die Zufuhr von Vitamin D ist nach Ansicht des Charité-Professors Hanns-Christian Gunga problematisch. Tabletten und Tropfen werden zwar bei Kindern im Wachstum erfolgreich eingesetzt, doch bei Erwachsenen könne eine zu hohe Dosierung zu Vergiftungen und Organschäden führen.