Aktuellen Medienberichten zufolge nimmt die Gesundheitsreform langsam Gestalt an. Aus Sicht der privaten Krankenversicherer dürfte die Entscheidung, die Drei-Jahres-Frist für den Wechsel von der gesetzlichen in eine private Krankenversicherung bereits 2011 zu kippen, einer der wichtigsten Schritte sein. Bislang musste die Versicherungspflichtgrenze drei Jahre in Folge überschritten werden, damit ein Wechsel überhaupt in Frage kam. Die neuen Pläne sehen vor, dass Arbeiter und Angestellte bereits bei einmaligem Erreichen dieser Einkommensgrenze in eine private Krankenversicherung wechseln dürfen.

Damit macht die Regierung den Weg im wahrsten Sinne des Wortes frei. Experten rechnen damit, dass viele gesetzlich Krankenversicherte die Option nutzen und die Vorteile der PKV für sich in Anspruch nehmen werden, angefangen bei den günstigen Tarifen bis hin zu den umfangreichen Leistungspaketen. Für die GKV ergibt sich daraus gleich eine Reihe von Problemen: Sie stehen jetzt schon auf finanziell wackligen Beinen. Wenn dann auch noch die gesunden, jungen und gut verdienenden Kunden abwandern, sehen die Krankenkassen einer eher düsteren Zukunft entgegen. Für die Versicherten heißt das in letzter Konsequenz: Sie werden über höhere Zusatzbeiträge vermutlich mehr bezahlen müssen. Abschätzen lassen sich die Folgen jetzt noch nicht.

Hinzu kommt, dass die Gesundheitsreform den gesetzlichen Kassen gleich mehrere Tarifoptionen aus der Hand nimmt. Zusatzangebote der GKV, mit denen eine Chefarztbehandlung oder das Ein-Bett-Zimmer im Krankenhaus möglich sind, sollen ebenso wie Auslandspolicen künftig nur noch von den privaten Krankenversicherungen angeboten werden dürfen. Den Kassen bleiben Tarife für besondere medizinische Zusatzleistungen, die Kostenerstattung und Selbstbehalte. Dadurch sinken die Einnahmen der GKV und erhalten die PKV einen noch stärkeren Zulauf bei den Krankenzusatzversicherungen.

Doch auch die gesetzlichen Krankenkassen sollen nicht ganz leer ausgehen. Versicherte, die Zusatzbeiträge nicht zahlen, werden demnächst mit eine Strafe von mindestens 30 Euro rechnen müssen. Ausgeweitet und verbessert werden soll darüber hinaus das Modell der Kostenerstattung. Die Patienten zahlen dabei – wie bei der PKV – die Arztrechnung aus eigener Tasche und reichen sie später bei der Versicherung ein. Aufgrund von Gebühren war die Option bislang eher uninteressant. Das soll sich durch neue Konditionen ändern.