Studie: Zusatzbeitrag nicht der einzige Grund zum Wechsel
Studie: Zusatzbeitrag nicht der einzige Grund zum Wechsel

Noch vor kurzem wurden Zahlen veröffentlicht, wonach der Zusatzbeitrag zu einer Wechseleuphorie in der gesetzlichen Krankenkasse führe. Über eine halbe Millionen Versicherte haben in den vergangenen zwölf Monaten die Krankenkasse gewechselt. Ein Großteil der Wechsel soll durch einen erhobenen Zusatzbeitrag maßgeblich beeinflusst worden sein, so die Ansicht der Krankenkassen. Daher fürchten viele Anbieter die Einführung von Zusatzbeiträgen. Eine neue Studie kommt hingegen zu neuen Erkenntnissen. Demnach seinen Aspekte wie die Servicequalität und das Leistungsspektrum viel größere Einflussfaktoren, wenn es um die Entscheidung eines Kassenwechsels geht. Über 4.000 GKV-Versicherte wurden im Rahmen der Studie von MSR Consulting zu ihrer Zufriedenheit mit ihrer Krankenkasse befragt.

Zusatzbeitrag als Wechselgrund überschätzt?

Das Ergebnis scheint eindeutig: Ein erhobener Zusatzbeitrag ist nicht vorrangig der Wechselgrund von Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine dauerhafte Kundenbindung sei vor allem über Faktoren wie positive Serviceerlebnisse zu realisieren. Der Anteil des Zusatzbeitrags würde bislang womöglich überschätzt, so die Studienautoren. Erst in Kombination mit schlechtem Service erhöht ein Zusatzbeitrag die Wechselbereitschaft massiv.

Servicequalität entscheidend für den den Verbleib in der Kasse

So werden die Wechselabsichten der Kassenpatienten egal ob mit oder ohne erhobenen Zusatzbeitrag als “marktunterdurchschnittlich” eingeschätzt. Viel entscheidender wirken sich beim Wechsel der Krankenkasse fehlende positive Serviceerfahrungen aus. Fehlen diese, steigt die Wechselwahrscheinlichkeit um knapp 20 Prozent. Ein Zusatzbeitrag kann im Zusammenhang mit schlechten oder fehlenden positiven Serviceerlebnissen die Wechselwahrscheinlichkeit nochmal auf gut 31 Prozent über dem Marktdurchschnitt. Ein Zusatzbeitrag allein muss sich somit nicht zwangsläufig auf die Mitgliederzahlen einer Krankenkasse auswirken. Nach Meinung einen Großteils der Versicherten (67 Prozent), werden sich in Zukunft Kassen mit einem hohen Servicegrad und einen umfangreichen Leistungskatalog durchsetzen. Kostengünstig allein scheint nicht mehr das wichtigste Kriterium zu sein. Nur etwa 27 Prozent der Versicherten sehen hier die Zukunft der Krankenkassen.

Zusammenhang zwischen Service und Zusatzbeitrag

Zwar besteht, wie die Studie zeigt, durchaus ein Zusammenhang zwischen Wechselwahrscheinlichkeit und Zusatzbeitrag, doch dieser scheint nur im Zusammenhang mit schlechten (Service)Leistungen an Relevanz zu gewinnen. Entscheidend ist jedoch die “Servicestrategie der Krankenkasse”, so Michael Kullmann von MSR Consulting. Mit gutem Service, der von den Versicherten auch so wahrgenommen wird, kann eine Krankenkasse also auch vom Mitgliederschwund durch Zusatzbeiträge verschont bleiben.